Neulich kam einer meiner Mitstreiter, ein Helvetier, mit der Patientenkopie einer Arztrechnung daher. Gründlich wie er ist, wollte er sie kontrollieren – um ggf. seine Versicherung zu informieren, falls etwas nicht der veritas entspräche. Nur: in welcher Sprache ist sie geschrieben? Da sie im reichlich spanisch vorkam, fragte er zuerst die Hispanier in unserer Kohorte. «No sé», also «weiss nicht», war die Antwort. Der Reihe nach konsultierte er unsere fremden Legionäre: Hellenen, Gallier, Westgoten, Ostgoten, Briten, Normannen, Phönizier und sogar Nubier und Ägypter. Kopfschütteln reihum. Schliesslich war es ein alter Seher, der wenigstens die Sprache zu entziffern glaubte: Tarmed. «Sind hier irgendwelche Tarmeden in unseren Reihen?» fragte ich beim nächsten Appell in die Runde. Wieder: Kopfschütteln reihum. Wo liegt wohl Tarmedistan? Mal im Internet nachschauen. Über eine Provinz namens Tarmedistan konnte ich zwar nichts finden. Aber immerhin: eine Lesehilfe für Tarmed-Rechnungen. Auf www.kostensenken.ch! Mein Helvetier war erleichtert, zumal sich auch die Arztrechnung als korrekt entpuppte. Ergo: Wir wissen nun, wie man tarmedisch spricht, aber vom Volk der Tarmeder keine Spur. Die spinnen, die Tarmeder!
Ein Argument, mit dem Ärzte immer wieder gegen die direkte Abrechnung ins Feld ziehen ist das Folgende: «Wir wollen, dass die Patienten Honorarschuldner bleiben. Sonst haben die Versicherer zu viel Einflussmöglichkeiten auf uns Ärzte - denn letztlich wollen die Versicherer bei der Art der medizinischen Behandlung mitbestimmen.» Sic! Da stehen sich also zwei Parteien gegenüber – auf der einen Seite die Ärztegesellschaft, die mehr Mitbestimmung der Krankenkassen befürchtet. Auf der anderen Seite die Krankenkassen, die Kosten senken wollen. Und dazwischen: wir Patienten, eine landesweite Pufferzone, hinter der sich die Ärzte verschanzen können? Ein ganzes Volk in kollektiver Geiselhaft, nur um eine offene Konfrontation zu vermeiden? O tempora, o mores! Da sind Sie bei mir als alter Haudegen an der falschen Adresse! Wo bleibt der Mumm? Schon mal etwas gehört, von Angesicht zu Angesicht, Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau! Nehmen Sie sich ein Exemplum an uns, damals, bei der Schlacht von Silarius! Auf geht’s! Kreuzen Sie die Klingen, führen Sie Ihre Argumente ins Feld, möge der Bessere siegen. Aber wir Patienten haben in dieser Arena nichts verloren – lasst uns frei! Ergo: ich kann nur wiederholen: ich mags direkt!
Wegen einer alten Läsur am Unterarm war ich wieder mal bei einem Medicus zu Besuch. Und da ich seit der Schlacht am Silarius vogelfrei und ohne festen Wohnsitz bin, wollte ich meine Arztrechnung direkt an meinen Versicherer senden lassen. Höflich gab mir der Medicus vor meiner Behandlung zu verstehen, dass er keine Rechnungen direkt an Versicherer sende. Ebenso höflich gab ich zur Antwort, dass ich es aber so wünsche. Worauf er sein Spritzenset öffnete und drauf und dran war, die grösste seiner Spritzen herauszunehmen. Beim Anblick dieses stichhaltigen Arguments musste ich zum Rückzug blasen. Ergo: ich frage künftig erst nach der Behandlung, ob die Rechnung direkt an den Versicherer geschickt werden kann.
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