Ich habe das mit der elektronischen Leistungsabrechnung lange selber auch nicht ganz verstanden, denn Sie müssen sehen: das Internet ist mir so fremd wie den Römern die Völker jenseits des Limes. Heute weiss ich zwar wie's funktioniert, verstehen tue ich es aber immer noch nicht. Es läuft folgendermassen ab: nachdem ich beim Medicus war, tippt die Praxisasstistentin auf ihrem Computer eine Rechnung ein, druckt diese dann auf einem Stück Papier aus und sendet sie mir. Ich begleiche die Rechnung und sende anschliessend das Papier weiter an die Versicherung. Und jetzt kommt’s: dort tippen dann Assistentinnen die Rechnung wieder behände ab, damit die Daten wieder zurück in den Computer gelangen und einfacher bearbeitet werden können. Sic! Warum beim Jupiter sollen denn die Praxisassistentinnen nicht einfach die Rechnung direkt an die Versicherer senden dürfen? Legen sie sich dann etwa mit der Kommission zur Aufrechterhaltung der Abtippkultur an? Oder interveniert dann die Papierlobby, weil weniger Papier verbraucht wird? Steckt etwa die Post dahinter, die weniger Portoeinnahmen befürchtet? Ich verstehe ägyptische Hieroglyphen, altlateinische Gedichte und sogar frühgallische Volksweisen. Aber die gängige Abrechnungspraxis bei helvetischen Arztbesuchen ist mir ein Rätsel. Vielleicht kann sie mir jemand erklären? Mag es hier jemand indirekt?
Ich gebe es zu. Ab und zu rufe ich Ärzte an, nur um mit ihnen über die direkte Abrechnung zu diskutieren. Natürlich am liebsten mit denen, die sie nicht anbieten. Und dann kann es passieren, dass ich am Telefon Folgendes zu hören bekomme:
«Nein, die Rechnung senden wir direkt an den Patienten. Er ist ja schliesslich unser Honorarschuldner», höre ich die resolute Stimme aus dem Telefon. Eine gewisse Strenge darf dabei nicht fehlen.
Und tatsächlich, es klingt so selbstsicher, so logisch, man könnte es fast für Gegeben hinnehmen. Trotzdem frage ich nach. Man bliebe ja trotzdem der Honorarschuldner, aber nachdem es ja letztendlich die Versicherung zahlen müsste…
Ich werde von einem «Das Krankenversicherungsgesetz schreibt vor, dass die Patienten Einsicht in die erbrachten Leistungen haben» unterbrochen.
«Meine Krankenversicherung sendet mir sowieso eine Kopie!», trumpfe ich auf.
«Ja, möchten Sie denn nicht im Vorhinein entscheiden, welche Rechnungen Sie weiterleiten möchten?», fragt mich eine entrüstete Stimme.
«Naja, das kann ich ja auch dem Arzt im Vorhinein sagen», versuche ich zögerlich.
Meistens wird an dieser Stelle das Gespräch mit einem forschen «Es tut mir leid, grade ist ein Patient in die Praxis gekommen» abgebrochen.
Manchmal aber, an den guten Tagen, mündet das Telefonat in eine Diskussion und ich höre Argumente wie «Das ist gesetzlich verboten!» oder «Die Daten-Hoheit des Patienten geht verloren».
Zeigt auch das nicht die gewünschte Einsicht bei mir, wird schwereres Geschütz aufgefahren:
«Der Datenschutz ist nicht gewährleistet» und «Das Patientengeheimnis wird ungenügend geschützt». An dieser Stelle gebe ich meistens ein Stück zu den gängigen Standards des Internet-Banking zum Besten, das mein Gegenüber am Telefon stöhnen lässt.
Oft wird auch versucht, das Unbehagen mystisch zu schüren. Dann erweist sich das Internet als hilfreich: «Möchten Sie, dass Ihre Daten irgendwo im Internet herumgeistern?»
Nicht, dass das besonders glaubwürdig ist. Aber es führt zu erfrischenden Diskussionen rund um das Thema: Big brother is watching you.
Klingt die Stimme am anderen Ende der Leitung dann schon sehr empfindlich und gereizt oder ist gar ein Stöhnen zu vernehmen, dann mache ich mich auf in die letzte Runde.
Denn so ein Seufzer fordert aufmunternde, herzliche Worte, die einen Motivationsschub beim ermüdeten Gegenüber auslösen.
Deshalb hier einige Vorschläge für diese wichtige Aufgabe:
«Auch Sie können mithelfen, Kosten zu sparen. Hier und in diesem Kanton. Und überhaupt.» Damit nehmen Sie Ihr Gegenüber gleich mit in die Pflicht – ob es nun will oder nicht.
«Werden auch Sie patientenfreundlicher!», um zu appellieren. Von wegen: «He He, deine Konkurrenz ist es nämlich schon lange!»
Fazit: Schwerter schärfen und Argumente klingen lassen!
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